Montag, 17. April 2017

Prenzel-Salemer

Neue Unterart des Prenzelschwaben entdeckt!

Tumor (von lateinisch Tumor = "Schwellung") nennt man die anormale Vergrößerung eines Gewebes. Eine weitere, präzisere Bezeichnung ist "Neoplasie" (griechisch: Neubildung). Sie entsteht, wenn sich körpereigene Zellen eigenständig, fortschreitend und überschießend teilen. Der Begriff "Krebs" steht für bösartige, sogenannte maligne Tumoren. Diese Tumoren unterscheiden sich von gutartigen, "benignen" Geschwulsten zum Beispiel durch ihre Art zu wachsen: Maligne Zellen wachsen ungeordnet, sind oft unreif oder undifferenziert und verändern sich schnell, manchmal mit jedem Teilungsschritt - sie haben eine hohe Mutationsrate.

Ja, genau! Und deshalb entwickelten sich aus der Geschwulst des die Bundeshauptstadt notorisch heimsuchenden schwäbelnden Zuzüglers, von Einheimischen gern als "Prenzelschwabe" verlacht, nur allzu schnell die bösartigen Zellhaufen der Prenzel-Salemer. Das sind Absolventen der erst kürzlich vom WZB Berlin wegen Missachtung von Artikel 7 Abs. 4 Grundgesetz öffentlich gebrandmarkten Schule Schloss Salem am Bodensee, einer umstrittenen Sonderschule für die Kinder der Reichen (einschließlich russischer Oligarchen und chinesischer Frühkapitalisten).

Aufmerksam auf diese Spezies des Prenzelschwaben wurde ich durch ein Interview der Berliner Zeitung mit Anna Müller (Tochter des berühmten Dramatikers und mutmaßlichen Stasi-Spitzels Heiner Müller). Die "BZ" schreibt über Anna Müllers Schulzeit:
Nach der Grundschule in Wilmersdorf besuchte Anna acht Jahre die Schule Schloss Salem am Bodensee. „Ich habe „Hanni und Nanni“-Bücher verschlungen und wollte unbedingt aufs Internat. Das war mein großer Traum.“ Salem sei wie eine große Pyjama-Party gewesen, nur mit etwas Schule dazwischen. Mit ihren besten Freundinnen von dort, die glücklicherweise alle nach Berlin gezogen sind, ist sie immer noch befreundet.  
Nun hört man über das schulische Niveau dieser angeblichen Elite-Schule bzw. das geistige Niveau ihrer Schüler ohnehin wenig Gutes (außer die Schule spricht über sich selbst und lässt sich mit Eigenlob und Selbstbeweihräucherung in den Medien zitieren). Und ihr viel gelobter "typischer Stil" ist nur erwähnenswert, wenn man das Wort falsch schreibt. Auch über die vermeintlich exzellente Disziplin an der Schule Schloss Salem kursieren noch immer die kuriosesten Mythen. So fantasiert z.B. Felix Gentil in seinem Werk "Mein Sohn lässt sich nicht dumm kommen - Berichte aus Berliner Schulen":
"Auf englischen Internaten oder auf Schloss Salem würde sich ein Schüler einmal so Verhalten wie der Ägypter, danach würde man sich von solchen Schülern trennen..."
Eine ehemalige Salemer Stipendiatin dagegen berichtet:
Zu den Lehrern kann ich nur sagen: In meinen 9 Jahren auf Salem hatte ich nur 4 Lehrer, die man respektieren konnte, die souverän waren, ihren Stoff solide rübergebracht haben und sich nicht von den verwöhnten Fratzen, die da meine Mitschüler waren, haben einschüchtern lassen. Alle anderen waren nur dauernd bemüht, ja nicht auf die falsche Seite zu geraten und es sich mit den  "Coolen" , den Cliquenchefs, zu verderben, denn dann wäre der Unterricht fast unmöglich gewesen. So sahen Lehrer seelenruhig zu, wie meine Schulsachen regelmässig aus dem Fenster flogen und anderer Unfug mit mir oder anderen armen Hanseln getrieben wurde.  
Das Thema Hanni und Nanni, Pyjama-Party usw. habe ich bereits anhand einer anderen bedeutenden "Altsalemerin" abgehandelt. Doch noch nicht erwähnt wurde die typische Schwarmintelligenz, mit der selbst Salem-Absolventen es im Leben zu etwas bringen: Immer dahin gehen, wo die angesagten Leute Party machen. Deshalb sind Müllers Buddys aus Salem eben alle nach Berlin gezogen. Denn sie wissen: Wenn du schon nichts kannst, musst du wenigstens irgendeinen "großen Namen" tragen. Dann kommt die Karriere schon zu dir. Und das ging laut BZ im Fall von Anna Müller so:
„Ich würde gern mein Leben um Bücher gestalten, aber mit dem Schreiben tue ich mich schwer“, sagt ausgerechnet Anna Müller, die einzige Tochter des Schriftstellers und Dramatikers Heiner Müller (1929–1995). Da traf es sich gut, dass die 24-Jährige und der Autor und Bravo-Bar-Betreiber Johannes Finke (42) einen Verlag gründeten. „Herzstück“ heißt er, so wie ein Theaterstück ihres Vaters. Es ist ihr liebstes von ihm."
Und das erste Buchprojekt des jungen Verlags, für das alle möglichen bekannteren Bar-Besucher einen Beitrag ablieferten, hat auch gleich einen sehr bezeichnenden Titel:
„Nutzloses Gesindel – Geschichten aus dem King Size“, Hrsg. von Anna Müller und Frank Künster, Herzstückverlag Berlin